Wie funktioniert LEGO® SERIOUS PLAY®?

Der Prozess, der Denken sichtbar macht

Stell dir vor, du fragst ein Team nach seiner größten Herausforderung. Die Antworten sind vorsichtig, ausweichend, höflich. Jeder schaut, wer zuerst spricht. Wer am lautesten ist, gibt meinst die Richtung vor.

Jetzt stell dir dasselbe Team vor. Mit einer klaren Frage, Baumaterial auf dem Tisch und der Aufgabe, die eigene Antwort in ein Modell zu übersetzen. Plötzlich baut jede Person gleichzeitig. Jede Stimme bekommt Form. Und was vorher unsichtbar war, liegt auf einmal auf dem Tisch.

Genau das ist LEGO® SERIOUS PLAY®. Nicht Spielen. Nicht Basteln. Sondern eine strukturierte Methode, die Denken greifbar macht und Teams dabei hilft, komplexe Themen klarer zu sehen, besser darüber zu sprechen und tragfähige Entscheidungen zu entwickeln.

Wie das konkret funktioniert, was hinter den einzelnen Schritten von LEGO® SERIOUS PLAY® steckt und wann die Methode in Unternehmen wirklich Sinn macht erfährst du hier.


Was ist LEGO® SERIOUS PLAY®? Eine klare Einordnung

LEGO® SERIOUS PLAY® ist eine moderierte Workshop-Methode, bei der Teilnehmende ihre Gedanken, Perspektiven und Antworten durch das Bauen von Modellen ausdrücken. Die Methode wurde in den 1990er-Jahren von der LEGO Gruppe in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern entwickelt und basiert auf der Theorie des konstruktivistischen Lernens: Wir denken besser, wenn wir mit den Händen arbeiten.

Was LEGO® SERIOUS PLAY® von anderen Workshop-Formaten unterscheidet, ist nicht das Material. Es ist der Prozess. Jede Person baut ihr eigenes Modell zu einer konkreten Frage. Jedes Modell wird erklärt. Jede Erklärung wird gehört, ohne Bewertung, ohne Unterbrechung. Dadurch entsteht etwas, das in klassischen Meetings selten gelingt: echte Gleichwertigkeit aller Stimmen, unabhängig von Hierarchie, Redegewandtheit oder Status.

Das ist einer der Punkte, der mir in Gesprächen mit Führungskräften besonders häufig begegnet: die Überraschung darüber, was plötzlich sichtbar wird, wenn alle im Team gleichzeitig und gleichwertig zur Lösung beitragen.

Warum klassische Formate bei komplexen Themen oft nicht ausreichen

Meetings sind gut für Abstimmungen. Für einfache Entscheidungen. Für Informationen, die weitergegeben werden müssen.

Aber bei komplexen Themen, bei Teamkonflikten, unklaren Rollen, Veränderungsprozessen, strategischen Fragen, stoßen sie an ihre Grenzen. Nicht weil die Menschen nicht wollen. Sondern weil das Format selbst keine Struktur bietet, in der alle Perspektiven gleichwertig sichtbar werden können. Wenn du hierzu mehr erfahren willst, findest du hier einen Blogbeitrag wie du Meetings effizienter gestallten kannst.

Was ich in Workshops immer wieder beobachte: Die eigentlichen Themen werden selten in der Runde ausgesprochen. Sie existieren in den Köpfen der Menschen. Manchmal als vage Ahnung, manchmal als konkretes Bild. Aber ohne Raum, in dem sie wirklich auf den Tisch kommen.

LEGO® SERIOUS PLAY® schafft genau diesen Raum. Nicht durch mehr Redezeit. Sondern durch eine andere Art, Gedanken sichtbar zu machen.

Wie funktioniert LEGO® SERIOUS PLAY®? Die 4 Kernschritte im Detail

Der Kern der Methode besteht aus vier Schritten, die in jeder Session wiederholt werden. Diese Struktur ist das Fundament. Innerhalb dieses Rahmens gibt es viel Gestaltungsraum für Facilitator, aber die vier Schritte bleiben konstant.

Wie funktioniert LEGO® Serious Play®? Die 4 Grundschritte

Schritt 1: Die Fragestellung

Jede LEGO® SERIOUS PLAY® Session beginnt mit einer klaren, offenen Frage. Diese Frage ist der entscheidende Ausgangspunkt und gleichzeitig die größte Herausforderung in der Vorbereitung.

Eine gute Frage ist offen genug, um echte Reflexion auszulösen. Und konkret genug, um ein Modell entstehen zu lassen. Sie gibt Richtung, ohne die Antwort vorwegzunehmen.

Schlechte Fragen führen zu oberflächlichen Modellen. Gute Fragen öffnen Türen, die vorher geschlossen waren. Genau deshalb ist die Fragetechnik ein zentraler Bestandteil der professionellen Ausbildung in LEGO® SERIOUS PLAY®.

Anna-Elena Stoehr gibt einen LEGO® SERIOUS PLAY® Workshop für Unternehmen, Führungskräfte und CEOs
Tipp für den Einstieg:

Gerade am Anfang fällt es vielen Facilitator:innen schwer, geeignete Bauimpulse zu formulieren. Das LEGO® SERIOUS PLAY® Skills Building Card Set unterstützt dabei mit 37 erprobten Bauimpulsen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen für den Einstieg in die Methode. Es ersetzt keine Facilitator-Ausbildung, erleichtert aber den Start und bietet viele Ideen für eigene Workshops.

Schritt 2: Das Bauen

Je nach Zielsetzung und verfügbarer Zeit kommen dabei unterschiedliche Modellarten im 2. Schritt zum Einsatz. Grundsätzlich wird zwischen Individual Models, Shared Models und Landscape Models unterschieden. 

Individual Models machen zunächst die Sichtweise jeder einzelnen Person sichtbar. Shared Models verbinden mehrere Perspektiven zu einem gemeinsamen Verständnis. Landscape Models helfen dabei, komplexe Zusammenhänge, Beziehungen und Dynamiken innerhalb eines Systems abzubilden.

Welche Modellart gewählt wird, entscheidet der LEGO® SERIOUS PLAY® Facilitator abhängig von der Fragestellung und dem gewünschten Ergebnis. Wenn du tiefer in das Thema einsteigen möchtest, findest du im Beitrag „Welche LEGO® SERIOUS PLAY® Modelle gibt es?" eine ausführliche Erklärung.

Für den weiteren Blick auf den zweiten Schritt konzentrieren wir uns auf das Individual Model. Hier baut jede Person ein eigenes Modell und macht damit ihre individuelle Sichtweise sichtbar.

Nachdem die Frage gestellt wurde, bauen alle Teilnehmenden gleichzeitig. Jede Person für sich. In Stille oder mit ruhiger Hintergrundmusik. Je nach Gruppe und Kontext in einem vorgegebenen Zeitrahmen.

Das Bauen ist kein kreativer Wettbewerb. Es geht nicht darum, das schönste Modell zu bauen. Es geht darum, den eigenen Gedanken in eine greifbare Form zu übersetzen. Jeder Stein, jede Farbe, jede Positionierung trägt eine Bedeutung, die die bauende Person selbst zuweist.

Aus meiner Erfahrung heraus ist das der Moment, in dem etwas Interessantes passiert: Menschen, die in Meetings kaum sprechen, bauen Modelle von überraschender Tiefe und Klarheit. Und Menschen, die sonst viel reden, merken, dass sie ihren Gedanken erst beim Bauen wirklich auf den Grund gehen.

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Schritt 3: Das Erzählen (Storytelling)

Nachdem alle gebaut haben, erklärt jede Person ihr Modell. Was bedeutet dieser Stein? Warum steht er dort? Was stellt diese Verbindung und jener Stein dar?

Dieser Schritt ist das Herzstück der Methode. Denn erst durch das Erzählen wird das Modell zu einer Aussage. Und erst durch das Zuhören aller entsteht ein gemeinsames Bild. Aus vielen individuellen Perspektiven.

Eine wichtige Regel: Während jemand sein Modell erklärt, wird nicht kommentiert, bewertet oder unterbrochen. Das schafft einen Raum, in dem auch leise Stimmen gehört werden.

In der Praxis hat sich bewährt, die Erzählzeit pro Person mit einem einfachen Timer zu begrenzen. Das klingt unromantisch, sorgt aber dafür, dass alle gleichviel Raum bekommen und die Session ihre Energie behält.

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Schritt 4: Die Reflexion

Im letzten Schritt werden die Modelle gemeinsam betrachtet. Was fällt auf? Was überrascht? Wo gibt es Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede? Welche Fragen entstehen? Wie könnten diese gff. in Verbindung zueinander gebracht werden?

Die Reflexion ist der Moment, in dem aus individuellen Modellen kollektive Erkenntnis wird. Hier entsteht das, wofür LEGO® SERIOUS PLAY® bekannt ist: ein gemeinsames Bild, über das Teams klarer sprechen können als über abstrakte Begriffe.

Wenn noch Teile eines Modells unklar sind, ist jetzt der richtige Zeitpunkt für wertfreie Nachfragen, um es wirklich zu verstehen.

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Was vor und nach den 4 Schritten passiert

Die vier Kernschritte sind das Herzstück. Aber eine professionell gestaltete LEGO® SERIOUS PLAY® Session hat auch einen klaren Rahmen darum herum.

Vorbereitung durch den Facilitator: Bevor die Session beginnt, wird der Themenkontext gesetzt, die Zielsetzung formuliert und das passende Material bereitgestellt. Gute Vorbereitung entscheidet häufig darüber, wie tief ein Prozess wirklich gehen kann.

Skillsbuilding (Einführung und Aufwärmen): Zu Beginn werden die Teilnehmenden in die Grundprinzipien der Methode eingeführt und machen sich mit dem Baumaterial vertraut. Dieser Einstieg ist kein Warm-up im klassischen Sinne. Es ist der erste Schritt, um Denken mit den Händen zu üben und Hemmungen abzubauen.

Ergebnissicherung: Am Ende einer Session werden die Erkenntnisse gesichert. Ein Foto- oder Videoprotokoll der Modelle hat sich dabei als besonders wirksam erwiesen, weil die Modelle und die Geschichten dahinter so auch im Nachgang zugänglich bleiben. Darauf aufbauend entwickeln die Teilnehmenden konkrete nächste Schritte.

Wann LEGO® SERIOUS PLAY® in Unternehmen wirklich sinnvoll ist

LEGO® SERIOUS PLAY® ist kein Format für jede Situation. Es ist ein Format für Themen, bei denen Komplexität, unterschiedliche Perspektiven und echte Beteiligung eine Rolle spielen.

Besonders wirksam ist die Methode, wenn:

  • ein Team neu zusammengesetzt wurde oder eine neue Führungskraft übernimmt
  • Rollen, Erwartungen oder Verantwortlichkeiten unklar sind
  • ein Change-Prozess begleitet werden soll
  • eine Strategie nicht nur entwickelt, sondern im Team verankert werden soll
  • unausgesprochene Themen die Zusammenarbeit belasten
  • ein Offsite oder Teamtag mehr sein soll als eine nette Agenda
  • ein Projektteam gemeinsame Orientierung braucht

Was ich dabei immer wieder erlebe: Unternehmen kommen oft mit einem konkreten Anlass: einem bevorstehenden Teamtag, einem Change-Prozess, einem Führungswechsel. Und stellen im Gespräch fest, dass das eigentliche Thema tiefer liegt. LEGO® SERIOUS PLAY® hilft auch hier, genau das sichtbar zu machen.

Was ein Team durch die Modelle sichtbar machen kann

Stell dir ein Team vor, das auf den ersten Blick gut zusammenarbeitet. Es gibt keine offenen Konflikte und kaum Beschwerden. Trotzdem fühlt sich die Zusammenarbeit zäh an. Entscheidungen dauern lange. Abstimmungen drehen sich im Kreis. Woran es genau liegt, kann zunächst niemand benennen.

In einer LEGO® SERIOUS PLAY® Session könnte die Frage lauten: „Bau ein Modell, das zeigt, wie du deine Rolle im Team erlebst.“

Auf dem Tisch entstehen ganz unterschiedliche Bilder. Mehrere Personen bauen sich am Rand des Teams. Sie beobachten, warten ab oder haben das Gefühl, nicht richtig eingebunden zu sein. Eine andere Person stellt sich in die Mitte und platziert zahlreiche Aufgaben um sich herum, die von allen Seiten auf sie zukommen.

Im Gespräch wird sichtbar, was vorher kaum jemand ausgesprochen hat. Einige Teammitglieder wissen nicht, wann ihre Beteiligung gefragt ist. Gleichzeitig hat eine Person das Gefühl, für zu viele Entscheidungen allein verantwortlich zu sein.

Die Modelle schaffen eine gemeinsame Grundlage für das weitere Gespräch. Das Team kann nun konkret darüber sprechen, wer welche Entscheidungen trifft, wann welche Personen eingebunden werden und wie Verantwortlichkeiten künftig verteilt werden sollen.

Die Erkenntnisse werden dem Team dabei nicht von außen vorgegeben. Sie entstehen aus den unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten. LEGO® SERIOUS PLAY® macht diese Perspektiven sichtbar und schafft damit die Grundlage, um gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Welche Ergebnisse LEGO® SERIOUS PLAY® in der Praxis ermöglicht

Was Teams aus einer gut gestalteten LEGO® SERIOUS PLAY® Session mitnehmen, ist je nach Thema, Gruppe und Kontext unterschiedlich. Was sich aber immer wieder zeigt:

  • Perspektiven, die in klassischen Meetings untergegangen wären, kommen auf den Tisch.
  • Alle Stimmen werden gleichwertig, unabhängig von Hierarchie, gehört.
  • Abstrakte Themen werden greifbar und besprechbar.
  • Teams entwickeln ein gemeinsames Bild, auf das sie sich beziehen können.
  • Entscheidungen entstehen mit echtem Commitment, weil alle beteiligt waren.
  • Nächste Schritte sind konkreter und werden häufiger umgesetzt.

Das ist kein Versprechen. Es ist das, was passiert, wenn ein Format wirklich zur Situation passt und professionell begleitet wird.

Anna-Elena Stoehr erklärt in einem LEGO® SERIOUS PLAY® Workshop Fürhungsrkäften warum die Methode so gut funktioniert. Sie hält ein übergroßes LEGO® Männchen in der rechten Hand. Zwei Teilnehmende schauen sie sehr interessiert an.

"LEGO® SERIOUS PLAY® macht sichtbar, was sonst oft im Kopf bleibt. Nicht weil die Menschen nicht reden wollen, sondern weil klassische Formate keinen Raum schaffen, in dem alle Perspektiven gleichwertig auf den Tisch kommen."

Anna-Elena Stoehr

FAQ: Häufige Fragen zu LEGO® SERIOUS PLAY® Methode

Was ist LEGO® SERIOUS PLAY® genau?

LEGO® SERIOUS PLAY® ist eine moderierte, wissenschaftlich belegte Workshop-Methode, bei der Teilnehmende ihre Gedanken und Perspektiven durch das Bauen von Modellen ausdrücken. Die Methode folgt einem strukturierten Prozess aus vier Kernschritten (Fragestellung, Bauen, Erzählen und Reflexion) und wird in Unternehmen eingesetzt, um komplexe Themen sichtbar, besprechbar und entscheidbar zu machen.

Für wen ist LEGO® SERIOUS PLAY® geeignet?

Die Methode eignet sich für Teams, Führungskräfte, HR- und Personalentwicklungsverantwortliche sowie für alle, die komplexe Themen strukturiert bearbeiten möchten. Ob Teambuilding, Change-Begleitung, Strategieentwicklung oder Projektklärung.

LEGO® SERIOUS PLAY® funktioniert überall dort, wo unterschiedliche Perspektiven sichtbar gemacht und in tragfähige Entscheidungen überführt werden sollen.

Brauche ich Vorkenntnisse, um an einem LEGO® SERIOUS PLAY® Workshop teilzunehmen?

Nein. Teilnehmende brauchen keine Bau-Erfahrung und keine Vorkenntnisse.

 Die Einführung und das Skillsbuilding zu Beginn jeder Session sorgen dafür, dass alle mit dem Prozess vertraut werden. Unabhängig davon, ob jemand zuletzt als Kind mit LEGO® gespielt hat.

Was unterscheidet LEGO® SERIOUS PLAY® von einem klassischen Workshop?

In klassischen Workshops dominieren oft die Lautesten. LEGO® SERIOUS PLAY® stellt sicher, dass alle, durch das parallele Bauen und das strukturierte Erzählen, gleichzeitig und gleichwertig beitragen. Das führt zu einer anderen Qualität der Beteiligung und häufig zu Erkenntnissen, die in Diskussionsformaten nicht entstehen würden.

Wie lange dauert eine LEGO® SERIOUS PLAY® Session?

Das hängt vom Thema, der Gruppe und der Tiefe ab, die erreicht werden soll. Einzelne Sequenzen können in 15 bis 60 Minuten durchgeführt werden. Vollständige Workshops dauern in der Regel zwischen einem halben und einem ganzen Tag. Manchmal auch länger, wenn es um tiefgreifende Themen wie Strategie, Change oder Teamdynamik geht.


Manchmal ist der beste Weg, eine Methode zu verstehen, sie selbst zu erleben. Im LEGO® SERIOUS PLAY® Executive Workshop bekommst du einen fundierten Einstieg in Wirkung, Haltung und Einsatzmöglichkeiten der Methode. Praxisnah, ohne Vorkenntnisse, mit echtem Transfer in deinen Arbeitsalltag.

Wenn du neugierig bist, was LEGO® SERIOUS PLAY® für dein Team oder deine Organisation leisten kann, freue ich mich auf ein erstes Gespräch.

Let's build success — Stein für Stein.