LEGO® SERIOUS PLAY® Modelle: Welche gibt es und wofür sind sie gut?
In Workshops wird oft viel gesprochen und trotzdem wenig geklärt. Die einen reden über Ziele, die anderen über Risiken. Begriffe wie Zusammenarbeit, Strategie oder Kundennutzen scheinen eindeutig, bis sichtbar wird, dass jede Person etwas anderes darunter versteht.
LEGO® SERIOUS PLAY® Modelle schaffen dafür eine gemeinsame Gesprächsgrundlage. Sie übersetzen Gedanken und Perspektiven in dreidimensionale Bilder, über die Teams konkret sprechen und Entscheidungen vorbereiten können.
Wer sich näher mit der Methode beschäftigt, begegnet schnell Begriffen wie Future State Model, Challenge Model oder Core Process Model. Dadurch entsteht der Eindruck, es gebe zahlreiche verschiedene Modellarten.
Tatsächlich basiert LEGO® SERIOUS PLAY® im Kern auf drei grundlegenden Modellformen:
- Individual Models
- Shared Models
- Landscape Models
Die Vielfalt entsteht durch die Fragestellung, das Workshopdesign und die Art, wie diese Modellformen eingesetzt und miteinander verbunden werden.
Welche Funktion die drei Grundmodelle haben und wie sich weitere Begriffe einordnen lassen, erfährst du in diesem Beitrag.
Was ist überhaupt ein LEGO® SERIOUS PLAY® Modell?
Ein LEGO® SERIOUS PLAY® Modell ist die gebaute Antwort auf eine konkrete Fragestellung. Es dient als Denk- und Kommunikationswerkzeug, mit dem Gedanken sichtbar und unterschiedliche Perspektiven greifbar werden.
Das Modell selbst steht dabei nicht im Mittelpunkt. Entscheidend ist die Bedeutung, die die bauende Person den einzelnen Steinen, Farben und Verbindungen gibt. Erst durch ihre Erklärung wird verständlich, wofür das Modell steht.
So entsteht eine gemeinsame Gesprächsgrundlage. Statt über unterschiedliche innere Vorstellungen zu sprechen, können sich alle Beteiligten auf etwas Konkretes beziehen, das vor ihnen auf dem Tisch steht.
Deshalb muss ein LEGO® SERIOUS PLAY® Modell weder besonders realistisch, schön oder besonders kreativ sein. Es muss vor allem dabei helfen, den eigenen Gedanken so auszudrücken, dass andere ihn verstehen können.

Die drei Grundmodelle von LEGO® SERIOUS PLAY®
Auch wenn im Zusammenhang mit LEGO® SERIOUS PLAY® viele unterschiedliche Begriffe verwendet werden, basiert die Methode im Kern auf nur drei Modellformen: Individual Models, Shared Models und Landscape Models.
Sie stehen nicht nebeneinander, sondern bauen häufig aufeinander auf. Zunächst werden individuelle Perspektiven sichtbar gemacht. Anschließend entwickelt das Team daraus ein gemeinsames Verständnis. Erst danach lohnt sich der Blick auf das Gesamtsystem und seine Zusammenhänge.
Welche Modellform zum Einsatz kommt, hängt immer von der Zielsetzung des Workshops ab. Nicht jede Session durchläuft alle drei Schritte. Gerade bei kürzeren Workshops reichen Individual Models häufig aus, während komplexe Strategie- oder Veränderungsprozesse oft mehrere Modellformen miteinander verbinden.
1. Individual Models
Individual Models bilden den Ausgangspunkt vieler LEGO® SERIOUS PLAY® Workshops. Alle Teilnehmenden erhalten dieselbe Fragestellung und bauen gleichzeitig ihre eigene Antwort.
Der große Vorteil: Jede Person entwickelt zunächst ihre eigene Sichtweise, ohne sich von den Ideen anderer beeinflussen zu lassen. Erst wenn alle Modelle fertig sind, werden sie vorgestellt und ihre Bedeutung erklärt.
Dadurch entsteht ein deutlich vollständigeres Bild als in klassischen Workshops. Unterschiedliche Perspektiven bleiben erhalten, statt sich schon während der Diskussion aneinander anzugleichen.
Individual Models eignen sich besonders, wenn ...
- unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden sollen
- Rollen und Erwartungen geklärt werden
- Erfahrungen und Sichtweisen gesammelt werden
- alle Beteiligten gleichberechtigt eingebunden werden sollen
- ein gemeinsamer Einstieg in ein Thema geschaffen werden soll
2. Shared Models
Sobald die individuellen Perspektiven auf dem Tisch liegen, stellt sich häufig die nächste Frage: Was bedeutet das für uns als Team?
Genau an diesem Punkt entstehen Shared Models. Sie werden nicht einfach gemeinsam gebaut. Sie werden gemeinsam entwickelt.
Das Team entscheidet Schritt für Schritt, welche Elemente aus den individuellen Modellen übernommen werden, welche Bedeutung sie haben und wie daraus ein gemeinsames Bild entsteht.
Dieser Prozess ist oft genauso wertvoll wie das fertige Modell. Denn das Team spricht nicht mehr über abstrakte Begriffe wie Zusammenarbeit oder Verantwortung, sondern entwickelt ein gemeinsames Verständnis davon, was diese Begriffe konkret bedeuten.
Ein Shared Model eignet sich besonders, wenn ein Team ...
- ein gemeinsames Zielbild entwickeln möchte
- Werte oder Leitlinien erarbeiten will
- Rollen und Verantwortlichkeiten klären möchte
- eine gemeinsame Entscheidungsgrundlage schaffen will
3. Landscape Models
Landscape Models erweitern den Blick noch einmal deutlich. Jetzt geht es nicht mehr nur um einzelne Perspektiven oder das gemeinsame Verständnis innerhalb des Teams. Jetzt wird das gesamte System betrachtet.
Dazu werden weitere Elemente ergänzt. Zum Beispiel Stakeholder, andere Abteilungen, Kundinnen und Kunden, technische Systeme, Risiken oder äußere Rahmenbedingungen. Häufig auch in Form von anderen Shared Models.
Erst durch diese Beziehungen wird sichtbar, welche Faktoren sich gegenseitig beeinflussen und welche Auswirkungen Veränderungen an einer Stelle auf andere Bereiche haben können.
Gerade bei Strategieprozessen, Organisationsentwicklung oder komplexen Projekten entstehen hier häufig Erkenntnisse, die in klassischen Workshops verborgen bleiben würden.
Landscape Models eignen sich deshalb besonders, wenn ...
- komplexe Zusammenhänge sichtbar werden sollen
- Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Bereichen verstanden werden müssen
- Veränderungsprozesse gestaltet werden
- Strategien entwickelt oder überprüft werden
- Stakeholder und ihr Zusammenspiel betrachtet werden
Warum gibt es dann Begriffe wie Future State Model oder Challenge Model?
Vielleicht ist dir aufgefallen, dass bisher einige Begriffe fehlen, die im Zusammenhang mit LEGO® SERIOUS PLAY® häufig verwendet werden. Dazu gehören zum Beispiel Future State Models, Challenge Models, metaphorische Modelle, Core Process Models, Prototyping Models oder Identity & Values Models.
Dabei handelt es sich jedoch meist nicht um weitere Grundmodelle. Diese Begriffe beschreiben vielmehr, was gebaut wird oder welche Fragestellung mit dem Modell bearbeitet werden soll.
Ein Future State Model zeigt zum Beispiel ein gewünschtes Zukunftsbild. Dieses kann als Individual Model entstehen, wenn jede Person ihre eigene Vorstellung von der Zukunft baut. Es kann als Shared Model entwickelt werden, wenn ein Team ein gemeinsames Zielbild erarbeitet. Ebenso kann es Teil eines Landscape Models sein, wenn zusätzlich Einflussfaktoren, Stakeholder oder Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.
Dasselbe gilt für Challenge Models, Rollenmodelle oder Core Process Models. Die Bauaufgabe und das gewünschte Ergebnis verändern sich. Die zugrunde liegende Modellform bleibt jedoch gleich.
Genau deshalb ist es so hilfreich, zunächst die drei Grundmodelle zu verstehen. Sie bilden die Basis, auf der ein LEGO® SERIOUS PLAY® Facilitator unterschiedliche Fragestellungen und Workshopsequenzen aufbauen kann.
Welche Modellform ist für uns sinvoll?
Welche Modellform sinnvoll ist, hängt nicht allein vom Thema ab. Entscheidend ist, was im Workshop sichtbar, geklärt oder gemeinsam entwickelt werden soll.
Sollen zunächst unterschiedliche Sichtweisen auf den Tisch, sind Individual Models häufig der passende Einstieg.
Braucht das Team ein gemeinsames Verständnis oder ein gemeinsam getragenes Zielbild, kann der Prozess zu einem Shared Model führen. Geht es darum, Beziehungen, Abhängigkeiten und äußere Einflüsse zu betrachten, ist ein Landscape Model oft die passende Wahl.
Die Aufgabe des Facilitators besteht deshalb nicht darin, möglichst viele Modellformen in einem Workshop unterzubringen. Entscheidend ist vielmehr, den Prozess so zu gestalten, dass jede Modellform zum richtigen Zeitpunkt einen klaren Zweck erfüllt.
So entsteht kein Workshop, der methodisch möglichst voll wirkt. Es entsteht ein Prozess, der die Gruppe Schritt für Schritt zu mehr Klarheit führt.
Welche Modellform ist die richtige?
Viel wichtiger ist eigentlich eine andere Frage: Welche Art von Klarheit möchtest du am Ende des Workshops erreichen? Dabei helfen drei einfache Leitfragen.
1. Geht es zunächst um unterschiedliche Perspektiven oder um ein gemeinsames Verständnis?
Wenn verschiedene Sichtweisen sichtbar werden sollen, bieten Individual Models häufig den besten Einstieg. Steht dagegen die Frage im Mittelpunkt, worauf sich ein Team gemeinsam verständigen möchte, führt der Weg meist über ein Shared Model.
2. Betrachtet ihr einen einzelnen Begriff oder ein ganzes System?
Manche Fragestellungen drehen sich um Begriffe wie Zusammenarbeit, Führung oder Kundennutzen. Hier helfen metaphorische Modelle dabei, unterschiedliche Vorstellungen sichtbar zu machen. Geht es dagegen um Zusammenhänge, Wechselwirkungen oder Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Bereichen, sind Landscape Models häufig die bessere Wahl.
3. Wollt ihr das Problem verstehen oder bereits Lösungen entwickeln?
Nicht jeder Workshop beginnt mit Ideen. Oft ist zunächst wichtig zu verstehen, worin die eigentliche Herausforderung überhaupt besteht. Challenge Models helfen dabei, Probleme aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten.
Erst wenn diese Klarheit entstanden ist, lohnt sich der Blick auf mögliche Lösungen oder Prototypen. Die Modellart folgt also nie einem festen Schema. Sie folgt immer der Zielsetzung des Workshops.
Genau darin zeigt sich gutes Workshopdesign. Es geht nicht darum, möglichst viele Modellarten miteinander zu kombinieren. Entscheidend ist, den richtigen Prozess für die jeweilige Fragestellung zu gestalten.
Ein Beispiel aus der Praxis
Stell dir ein bereichsübergreifendes Projektteam vor. Die Ziele sind definiert. Verantwortlichkeiten sind verteilt. Der Projektplan steht. Trotzdem drehen sich die Meetings immer wieder im Kreis.
Auf den ersten Blick scheint das Projekt gut organisiert zu sein. Erst beim Bauen wird sichtbar, dass die Beteiligten ein völlig unterschiedliches Verständnis davon haben, wann eine Aufgabe eigentlich als abgeschlossen gilt.
Während eine Person den Schwerpunkt auf technische Stabilität legt, verbindet eine andere "fertig" vor allem mit einem überzeugenden Nutzererlebnis. Beide Sichtweisen sind nachvollziehbar. Sie wurden bisher nur nie ausgesprochen.
Ein Individual Model macht diese Unterschiede sichtbar.
Anschließend entwickelt das Team daraus ein Shared Model. Gemeinsam wird geklärt, welche Kriterien in welcher Projektphase entscheidend sind und wie sich unterschiedliche Anforderungen miteinander verbinden lassen.
Plötzlich geht es nicht mehr darum, wer Recht hat. Das Team entwickelt ein gemeinsames Verständnis davon, woran sich zukünftige Entscheidungen orientieren sollen.
Aus vielen Einzelperspektiven entsteht ein gemeinsames Referenzbild.
Was LEGO® SERIOUS PLAY® Modelle ermöglichen
Die eigentliche Stärke von LEGO® SERIOUS PLAY® liegt nicht in den Modellen selbst. Sie entsteht durch die Gespräche, die auf Grundlage der Modelle geführt werden.
Je nach Fragestellung können dabei ganz unterschiedliche Ergebnisse entstehen:
- unterschiedliche Perspektiven werden sichtbar und verständlich
- abstrakte Begriffe erhalten eine gemeinsame Bedeutung
- Teams entwickeln ein gemeinsames Zielbild
- Zusammenhänge und Abhängigkeiten werden greifbar
- Entscheidungen basieren auf einem gemeinsamen Verständnis statt auf Annahmen
- konkrete nächste Schritte lassen sich leichter ableiten
Die Modelle liefern dabei selten die Lösung. Sie schaffen die Grundlage, auf der Teams gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln können.

„In LEGO® SERIOUS PLAY® ist das Modell nicht das Ziel, sondern das Medium. Entscheidend ist, dass Teams über das Modell präziser sprechen können – und dadurch tragfähige nächste Schritte entwickeln."
Anna-Elena Stoehr
FAQs: Häufige Fragen zu den LEGO® SERIOUS PLAY® Modellen
Ein Modell ist eine gebaute Darstellung einer Antwort auf eine konkrete Frage. Es dient als gemeinsame Referenz, über die Teams klarer sprechen und Entscheidungen besser vorbereiten können.
Für Strategie-Workshops sind Shared Models und Future-State-Modelle besonders hilfreich, weil sie gemeinsame Ausrichtung und Zielbilder sichtbar machen. Ergänzend helfen Landscape-Modelle, externe Einflüsse und Stakeholder einzubeziehen.
Beim individuellen Modell baut jede Person ihre eigene Perspektive. Ein Shared Model entsteht, wenn das Team daraus ein gemeinsames Bild entwickelt, das als Referenz für Alignment und Entscheidungen dient.
Systemmodelle nutzt du, wenn Wechselwirkungen, Abhängigkeiten und Dynamiken sichtbar werden sollen. Landscape-Modelle sind hilfreich, wenn externe Einflüsse, Rahmenbedingungen oder Stakeholder das Thema stark prägen.
So viele wie nötig, um vom Thema zu Klarheit und nächsten Schritten zu kommen. In der Praxis sind oft wenige, gut gewählte Modellsequenzen wirksamer als viele Modelltypen ohne klare Prozesslogik.
Wie geht es nun für dich weiter?
Wenn du klären willst, welche Modellarten für euer konkretes Thema sinnvoll sind, lass uns kurz über Ziel, Gruppe und Rahmen sprechen. In einem Impulscall bekommst du Orientierung, welche Prozesslogik trägt und welches Format zu euch passt.
Wenn ihr LEGO® SERIOUS PLAY® intern moderieren möchtet, lohnt sich zusätzlich eine fundierte Ausbildung, damit Haltung, Fragetechnik und Transfer professionell sitzen.
Let’s build success – Stein für Stein.
