Welche Vorteile und Nachteile hat LEGO® SERIOUS PLAY®?
Manchmal ist das Problem im Team nicht fehlende Motivation. Sondern fehlende Klarheit. Alle reden über dieselbe Strategie, denselben Prozess oder dasselbe Projekt. Im Meeting nicken alle und zunächst sieht es so aus, als wäre die Richtung klar. Spätestens in der Umsetzung zeigt sich dann allerdings: Jeder hatte offenbar ein etwas anderes Bild im Kopf.
Nach mehr als 20 Jahren in Projekten, IT und Organisationsentwicklung kann ich sagen: Genau solche Situationen kosten Unternehmen unglaublich viel Zeit. Nicht unbedingt, weil Wissen fehlt, sondern weil unterschiedliche Perspektiven zu lange unsichtbar bleiben und Missverständnisse oft erst dann auffallen, wenn die Umsetzung bereits läuft.
Genau hier liegt eine der größten Stärken von LEGO® SERIOUS PLAY®.
Die Methode übersetzt abstrakte Gedanken, Zusammenhänge und Perspektiven in sichtbare Modelle. Dadurch können Teams konkreter miteinander sprechen, Unterschiede früher erkennen und eine gemeinsame Grundlage für Entscheidungen schaffen.
Allerdings ist LEGO® SERIOUS PLAY® keine Wunderwaffe. Die Methode braucht eine klare Fragestellung, eine professionelle Prozessführung und passt nicht zu jedem Thema.
In diesem Artikel zeige ich dir deshalb nicht nur die Vorteile von LEGO® SERIOUS PLAY®, sondern auch die Nachteile und Grenzen, die du vor einem Workshop im Unternehmen kennen solltest.
Was sind die größten Vorteile und Nachteile von LEGO® SERIOUS PLAY®?
Die größten Vorteile von LEGO® SERIOUS PLAY® liegen in der hohen Beteiligung aller Teilnehmenden, der Visualisierung komplexer Zusammenhänge und der Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven früh sichtbar zu machen. Die Methode kann Teams dabei unterstützen, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln, blinde Flecken zu erkennen und tragfähigere Entscheidungsgrundlagen zu schaffen.
Gleichzeitig benötigt ein LEGO® SERIOUS PLAY® Workshop Zeit, Material und eine sehr gute Vorbereitung. Die Qualität der Ergebnisse hängt außerdem stark von der Fragestellung und der Moderation ab. Nicht jedes Thema braucht ein Modell und nicht jedes Ergebnis lässt sich sinnvoll mit LEGO® SERIOUS PLAY® erarbeiten.
Genau deshalb lohnt sich vorab die ehrliche Frage: Passt die Methode überhaupt zu unserem aktuellen Thema?
Lohnt sich LEGO® SERIOUS PLAY® für euer Unternehmen?
LEGO® SERIOUS PLAY® eignet sich besonders für Fragestellungen, bei denen unterschiedliche Sichtweisen, komplexe Zusammenhänge oder ein fehlendes gemeinsames Verständnis die Zusammenarbeit erschweren.
Die Methode kann gut passen, wenn …
- ihr über ein komplexes Thema sprecht, aber bisher kein gemeinsames Bild entsteht.
- unterschiedliche Rollen, Interessen oder Perspektiven zusammengebracht werden müssen.
- Meetings sich regelmäßig im Kreis drehen oder Entscheidungen immer wieder vertagt werden.
- nicht alle Beteiligten gleichermaßen zu Wort kommen.
- ihr Zusammenhänge, Abhängigkeiten oder Risiken besser verstehen möchtet.
- aus einem Workshop konkrete nächste Schritte entstehen sollen.
LEGo® SERIOUS PLAY® passt eher nicht, wenn …
- ihr lediglich etwas Abwechslung für einen Teamtag sucht.
- das eigentliche Ziel des Workshops noch völlig unklar ist.
- es ausschließlich um reine Wissensvermittlung geht.
- eine schnelle Ja-Nein-Entscheidung getroffen werden muss.
- ihr quantitative Daten erheben oder statistisch auswerten möchtet.
- ein hoch spezialisiertes Fachproblem bearbeitet werden soll, ohne dass die notwendige Expertise im Raum ist.
- stark emotionale oder traumabezogene Themen ohne passenden Schutzrahmen bearbeitet werden sollen.
- nach dem Workshop weder Zeit noch Bereitschaft für Transfer und Umsetzung vorhanden sind.
Ich bin ein großer Fan der Methode. Vermutlich wenig überraschend. Trotzdem halte ich nichts davon, für jede Fragestellung sofort die Steine auf den Tisch zu stellen.
Eine gute Methode zeichnet sich für mich nicht dadurch aus, dass ich sie überall einsetzen kann. Viel wichtiger ist zu wissen, wann sie einen echten Mehrwert schafft und wann eine andere Vorgehensweise sinnvoller ist.

6 Vorteile von LEGO® SERIOUS PLAY®
Schauen wir uns also die Vorteile der Methode genauer an.
Vorteil 1: LEGO® SERIOUS PLAY® macht unterschiedliche Perspektiven sichtbar
Viele Entscheidungen scheitern daran, dass alle über dasselbe Wort sprechen und etwas anderes darunter verstehen. Strategieentwicklung ist dafür ein wunderbares Beispiel. Was bedeutet Wachstum? Was verstehen wir unter guter Zusammenarbeit? Wann ist ein Projekt erfolgreich? Und was heißt eigentlich Kundenorientierung?
Auf den ersten Blick wirken diese Fragen fast banal. In der Praxis habe ich allerdings häufig erlebt, dass Teams sehr lange davon ausgehen, ein gemeinsames Verständnis zu haben. Bis jemand genauer nachfragt.
LEGO® SERIOUS PLAY® macht die inneren Bilder der Beteiligten sichtbar. Gedanken und Bauchgefühl bleiben nicht im Kopf oder im besten Fall als Aussage im Raum, sondern werden in einem Modell dargestellt und durch die Person erklärt, die es gebaut hat. Dadurch werden Unterschiede häufig wesentlich früher erkennbar.
Und genau diese Unterschiede sind wertvoll. Denn ein gemeinsames Verständnis entsteht nicht dadurch, dass alle im Meeting nicken. Es entsteht dann, wenn sichtbar wird, worin bereits Einigkeit besteht und an welchen Stellen noch unterschiedliche Vorstellungen existieren.
Vorteil 2: Alle Beteiligten bringen ihre Perspektive ein
Ich habe sehr viele Meetings erlebt und vermutlich kennen wir alle eine ähnliche Gesprächsdynamik: Ein oder zwei Personen reden sehr viel, einige steigen irgendwann ein und andere sagen wenig oder gar nichts. Am Ende steht trotzdem im Protokoll: „Das Team hat xyz entschieden.“
Dabei stellt sich aus meiner Sicht eine ganz wesentliche Frage: Wie viel vom Wissen des Teams war tatsächlich Teil dieser Entscheidung?
Bei LEGO® SERIOUS PLAY® verändert sich die Gesprächslogik, weil jede Person ein Modell zur Fragestellung baut und die Bedeutung des eigenen Modells erklärt. Die individuellen Perspektiven kommen damit zunächst auf den Tisch, bevor verdichtet, priorisiert oder entschieden wird.
Natürlich bedeutet das nicht, dass am Ende alle Meinungen gleich gewichtet oder jede Idee umgesetzt werden muss. Es sorgt aber dafür, dass das vorhandene Wissen zunächst sichtbar wird.
Für mich ist das ein wichtiger Qualitätsfaktor. Denn Perspektiven, die gar nicht erst ausgesprochen werden, können später auch nicht Teil einer guten Entscheidung sein.
Vorteil 3: Komplexe Zusammenhänge werden BE-greifbar
Komplexität lässt sich nur schwer auf einer PowerPoint-Folie abbilden. Projekte, Organisationen und Veränderungsprozesse bestehen aus Abhängigkeiten, die sich gegenseitig beeinflussen.
Eine Entscheidung an einer Stelle verändert etwas an einer anderen. Menschen reagieren unterschiedlich, Rollen greifen ineinander und Prozesse beeinflussen Systeme, die wiederum Auswirkungen auf die tägliche Arbeit haben. Und irgendwo dazwischen soll bitte noch schnell entschieden werden.
LEGO® SERIOUS PLAY® kann helfen, genau diese Zusammenhänge räumlich sichtbar zu machen. Wenn Elemente miteinander verbunden werden, Abhängigkeiten entstehen oder einzelne Modelle zu einer gemeinsamen Landschaft zusammengeführt werden, wird häufig schnell deutlich, welche Themen voneinander abhängen, wo Risiken liegen und welche Schnittstellen besondere Aufmerksamkeit brauchen. Auch Auswirkungen von Veränderungen oder besonders relevante Erfolgsfaktoren lassen sich so gemeinsam untersuchen.
Das Modell entscheidet dabei nicht. Das Team entscheidet. Das Modell schafft lediglich eine gemeinsame Grundlage, über die konkreter gesprochen werden kann. Gerade bei Strategiearbeit, Projektklärung, Veränderungsprozessen oder komplexen Teamfragen kann das einen großen Unterschied machen.
Vorteil 4: Gespräche werden konkreter
Ein Effekt, den ich in Workshops immer wieder beobachte, ist die veränderte Art, wie Teams miteinander sprechen, sobald ein Modell auf dem Tisch steht.
Aus „Ich sehe das aber anders“ wird dann beispielsweise die Frage: „Was bedeutet dieser Stein in deinem Modell?“ Oder jemand möchte wissen, warum ein bestimmtes Element so weit vom Team entfernt steht und was sich verändern müsste, damit eine Verbindung stabiler wird.
Das klingt zunächst nach einem kleinen Unterschied, verändert aber die Gesprächssituation deutlich. Die Aufmerksamkeit richtet sich stärker auf das Modell und dessen Bedeutung. Unterschiedliche Perspektiven können dadurch häufig sachlicher untersucht werden.
Natürlich verschwinden Konflikte deshalb nicht plötzlich und schwierige Gespräche werden auch nicht automatisch leicht. Die Methode schafft jedoch einen gemeinsamen Referenzpunkt. Statt ausschließlich über abstrakte Begriffe oder festgefahrene Positionen zu diskutieren, können Teams gemeinsam auf ein Modell schauen, Fragen stellen und Bedeutungen klären.
Vorteil 5: LEGO® SERIOUS PLAY® kann Entscheidungsgrundlagen verbessern
Bei komplexen Themen gibt es selten die eine offensichtlich richtige Lösung. Meist existieren unterschiedliche Interessen, Abhängigkeiten, Risiken und Konsequenzen. Gleichzeitig stehen mehrere Optionen im Raum, die jeweils ihre eigenen Vor- und Nachteile mitbringen.
LEGO® SERIOUS PLAY® kann dabei helfen, diese Faktoren sichtbar zu machen und miteinander in Beziehung zu setzen.
Besonders spannend finde ich es, wenn Teams nicht sofort nach einer Lösung suchen, sondern zunächst versuchen, das zugrunde liegende System besser zu verstehen. Was beeinflusst unser Problem? Welche Faktoren können wir selbst verändern? Wo bestehen Abhängigkeiten? Und was passiert eigentlich, wenn ein wichtiger Bestandteil wegfällt?
Solche Fragen nehmen einem Team die Entscheidung nicht ab. Sie können allerdings dazu beitragen, dass Entscheidungen auf einer breiteren und gemeinsam verstandenen Grundlage getroffen werden.
Aus meiner Projekterfahrung ist genau das häufig der Unterschied zwischen „Wir haben darüber gesprochen“ und „Wir haben verstanden, worüber wir eigentlich entscheiden“.
Vorteil 6: Erkenntnisse bleiben besser im Gedächtnis
Ein weiterer Vorteil von LEGO® SERIOUS PLAY® zeigt sich für mich häufig erst nach dem eigentlichen Workshop. Modelle, Metaphern und gemeinsam entwickelte Bilder bleiben erstaunlich gut im Gedächtnis.
Wenn später von „der schwarzen Platte“, der „fehlenden Brücke“ oder dem „Elefanten vor der Tür“ gesprochen wird, wissen die Beteiligten meist sofort, was gemeint ist. Externe hingegn nicht immer. Das Team entwickelt im Workshop damit ein Stück weit eine eigene gemeinsame Sprache, auf die es auch später wieder zurückgreifen kann.
Gerade bei komplexen Themen ist das aus meiner Sicht ein großer Vorteil. Denn während einzelne Aussagen aus Meetings oder Präsentationen schnell in Vergessenheit geraten, lassen sich zentrale Gedanken über ein konkretes Bild häufig leichter wieder aufrufen.
Natürlich ersetzt ein Modell weder eine saubere Dokumentation noch klare Verantwortlichkeiten und nächste Schritte. Es kann aber dabei helfen, Erkenntnisse besser zu verankern und den Transfer in den Arbeitsalltag zu unterstützen.
Genau deshalb überlege ich bereits bei der Konzeption eines Workshops, wie die relevanten Modelle dokumentiert und die Ergebnisse anschließend weiter genutzt werden können. Denn Klarheit sollte nicht auf dem Workshop-Tisch liegen bleiben.

6 Nachteile von LEGO® SERIOUS PLAY®
Ja, LEGO® SERIOUS PLAY® hat auch Nachteile und Grenzen. Ich halte wenig davon, diese wegzudiskutieren oder jeden vermeintlichen Nachteil automatisch zu einem Anwendungsfehler zu erklären. Viel sinnvoller finde ich die Frage, wie relevant der jeweilige Punkt für das konkrete Vorhaben ist.
Nachteil 1: LEGO® SERIOUS PLAY® braucht Zeit
Bauen, erklären, nachfragen, reflektieren und verdichten braucht Zeit. Eine Frage, die in einem klassischen Meeting innerhalb von fünf Minuten abgestimmt werden kann, sollte deshalb nicht künstlich zu einer einstündigen LEGO® SERIOUS PLAY® Session werden. Das wäre methodischer Selbstzweck.
Bei komplexeren Fragestellungen sieht die Rechnung allerdings anders aus. Dann stelle ich gerne die Gegenfrage: Wie viel Zeit kostet uns fehlende Klarheit?
Wie viele Abstimmungsrunden folgen nach einem Meeting? Wie häufig werden Entscheidungen erneut geöffnet und wie viele Missverständnisse zeigen sich erst in der Umsetzung?
Ein LEGO® SERIOUS PLAY® Workshop ist also nicht automatisch schneller. Bei der richtigen Fragestellung kann die Methode jedoch dazu beitragen, Themen früher, gründlicher und in kürzerer Zeit zu klären. Wie lange eine LEGO® SERIOUS PLAY® Session dauern sollte, hängt deshalb immer vom Ziel und der Komplexität der Fragestellung ab.
Nachteil 2: Die Qualität hängt stark von der Fragestellung ab
„Baut doch mal eure Vision.“ Kann man machen. Ich würde es nur nicht empfehlen.
Die Qualität eines LEGO® SERIOUS PLAY® Prozesses steht und fällt mit den Fragen. Eine zu große Frage kann Teilnehmende überfordern, während eine zu enge Frage unnötig begrenzt. Suggestive Fragen lenken das Ergebnis und Fragen ohne Bezug zum eigentlichen Workshopziel produzieren im schlimmsten Fall interessante Modelle, mit denen anschließend niemand weiterarbeiten kann.
Eine meiner wichtigsten Fragen in der Vorbereitung lautet deshalb: Welche Entscheidung, welche Erkenntnisse oder welcher nächste Schritt soll nach dem Workshop leichter sein als vorher?
Erst wenn das klar ist, beginnt für mich das eigentliche Workshopdesign.
Nachteil 3: Die Methode ist abhängig von einer guten Moderation
LEGO® SERIOUS PLAY® ist ein strukturierter und moderierter Prozess. Es reicht deshalb nicht, Material auf den Tisch zu stellen und eine kreative Frage zu formulieren.
Die Moderation muss einschätzen können, welche Frage zu welchem Zeitpunkt sinnvoll ist, wann nachgefragt werden sollte und wann eine Diskussion zu weit vom Ziel wegführt. Gleichzeitig geht es darum, individuelle Modelle sinnvoll zu verdichten, Gruppendynamiken im Blick zu behalten und Ergebnisse in konkrete nächste Schritte zu überführen.
Besonders im Unternehmenskontext reicht für mich deshalb reine Methodenkenntnis nicht aus. Wer Strategie, Prozesse, Projekte oder komplexe Teamthemen moderiert, sollte auch ein Verständnis dafür haben, was im jeweiligen Arbeitskontext passiert.
Genau hier fließen bei mir meine unterschiedlichen beruflichen Perspektiven zusammen: Projektmanagement, IT, Prozesse, Organisationsentwicklung und die Arbeit mit LEGO® SERIOUS PLAY®.
Ein Modell kann fachlich spannend sein. Entscheidend ist allerdings, die richtigen Fragen zu stellen und daraus ein Ergebnis zu entwickeln, mit dem das Unternehmen tatsächlich weiterarbeiten kann.
Nachteil 4: Material und Vorbereitung verursachen Aufwand und Kosten
LEGO® SERIOUS PLAY® benötigt Material. Klingt offensichtlich, wird in der Planung größerer Workshops trotzdem gerne unterschätzt.
Je nach Gruppengröße und Workshopdesign müssen ausreichend Sets, Bauflächen und gegebenenfalls zusätzliches Material für gemeinsame Landschaften vorhanden sein. Auch Vorbereitung, Logistik, Auf- und Abbau, Sortierung und Nacharbeit brauchen Zeit. Bei Online-Workshops kommt außerdem der rechtzeitige Materialversand hinzu. Das ist kein unlösbares Problem, gehört aber in jede realistische Workshopplanung.
Welches LEGO® SERIOUS PLAY® Material für welches Format sinnvoll ist, habe ich deshalb in einem eigenen Beitrag ausführlicher beschrieben.
Nachteil 5: Ergebnisse sind nicht automatisch messbare Daten
LEGO® SERIOUS PLAY® ist keine quantitative Forschungsmethode. Ein Workshop mit zehn Personen liefert deshalb nicht automatisch eine statistisch belastbare Aussage darüber, wie 500 Mitarbeitende denken.
Das klingt vielleicht selbstverständlich. Trotzdem ist die Erwartung an Workshops manchmal erstaunlich groß. Die Methode kann Perspektiven sichtbar machen, Muster erkennen lassen, Hypothesen erzeugen und ein gemeinsames Verständnis unterstützen.
Für bestimmte Fragestellungen braucht es allerdings ergänzende und / oder nachgelagerte Methoden, wie beispielsweise Mitarbeitendenbefragungen, Kennzahlen, Prozessdaten, Nutzeranalysen, Interviews oder fachliche Analysen.
Ich kombiniere deshalb in meiner Arbeit gerne unterschiedliche Methoden und Werkzeuge. Nicht jede Information muss gebaut werden und nicht jedes Problem lässt sich mit einer einzigen Methode sinnvoll bearbeiten.
Nachteil 6: Die Methode kann zunächst Skepsis auslösen
„Wir sollen jetzt ernsthaft mit LEGO bauen?“ - "Ja.". Den zu dieser Aussagen passenden Blick kenne ich sehr gut.
Besonders in eher konservativen Unternehmensumfeldern kann LEGO® SERIOUS PLAY® zunächst Skepsis auslösen. Häufig beginnt das Problem allerdings bereits beim Framing.
Wenn ein Unternehmen die Session mit den Worten „Wir machen heute mal etwas Kreatives und spielen mit LEGO“ ankündigt, darf es sich über entsprechende Reaktionen nicht wundern.
LEGO® SERIOUS PLAY® ist ein moderierter Arbeitsprozess. Deshalb erkläre ich zu Beginn sehr klar, woran wir arbeiten, warum wir für genau diese Fragestellung die Methode nutzen, wie der Prozess abläuft und welches Ergebnis am Ende entstehen soll.
Gleichzeitig habe ich über die Jahre einen Ablauf entwickelt, mit dem ich auch sehr skeptische Teilnehmende gut in den Prozess integrieren kann. Dabei geht es mir gerade nicht darum, jemanden von LEGO® SERIOUS PLAY® zu überzeugen oder Begeisterung einzufordern. Viel wichtiger ist, einen Einstieg zu schaffen, bei dem die Teilnehmenden selbst erleben, warum die einzelnen Schritte sinnvoll sind.
Wenn Menschen den Nutzen für ihre eigene Fragestellung erkennen, verändert sich die Beteiligung meist von ganz allein. Aus anfänglicher Zurückhaltung wird häufig Neugier und irgendwann der Punkt, an dem auch die Skeptiker sehr konzentriert bauen, erklären und nachfragen.
Skepsis muss aus meiner Sicht deshalb nicht wegdiskutiert werden. Die Teilnehmenden dürfen skeptisch sein. Entscheidend ist vielmehr, ob der Prozess fachlich sauber geführt wird und die Gruppe einen Mehrwert für ihr tatsächliches Thema erkennt.
Mein Fazit zu den Vorteilen und Nachteilen von LEGO® SERIOUS PLAY®
LEGO® SERIOUS PLAY® ist für mich eine der stärksten Methoden, wenn Teams komplexe Themen bearbeiten und unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen müssen.
Die Methode schafft Beteiligung, macht Zusammenhänge sichtbar und kann dabei helfen, ein gemeinsames Verständnis sowie bessere Entscheidungsgrundlagen zu entwickeln.
Gleichzeitig braucht sie Zeit, Material und Vorbereitung. Ihre Qualität hängt stark von der Fragestellung und der Moderation ab und sie ist nicht für jedes Thema die richtige Methode.
Genau deshalb beginnt ein guter LEGO® SERIOUS PLAY® Workshop für mich nicht mit den Steinen, sondern mit einer klaren Frage: Was soll nach diesem Workshop klarer, leichter oder entscheidbarer sein als vorher?
Wenn wir darauf eine gute Antwort haben, können wir über die Methode sprechen.

Praxisbeispiel: Wenn ein Führungsteam glaubt, dieselbe Strategie zu verfolgen
Stell dir ein Führungsteam vor. Die Strategie ist beschlossen, die Präsentation dazu existiert und die Ziele wurden kommuniziert. Trotzdem zeigen sich im Alltag unterschiedliche Prioritäten, Reibungen an Schnittstellen und Entscheidungen, die immer wieder vertagt werden.
Spannend wird es in solchen Workshops für mich nicht unbedingt dann, wenn alle von Anfang an wissen, dass sie unterschiedlicher Meinung sind. Viel interessanter ist der Moment, in dem vorher alle überzeugt waren, dass sie dasselbe meinen und auf dem Tisch plötzlich fünf völlig unterschiedliche Bilder stehen.
Genau das kann beispielsweise bei der Frage passieren: „Wofür stehen wir als Bereich wirklich, wenn wir es konkret machen?“ Eine Person baut den Kunden sehr zentral, während bei einer anderen Effizienz im Mittelpunkt steht. Ein Modell zeigt vor allem Innovation und im nächsten spielen Sicherheit und Stabilität die größte Rolle.
Keine dieser Perspektiven muss falsch sein. Für gemeinsame Prioritäten macht es allerdings einen erheblichen Unterschied, ob diese inneren Bilder bekannt sind oder nicht.
Im nächsten Schritt kann das Führungsteam deshalb untersuchen, was der Umsetzung heute im Weg steht, welche Abhängigkeiten den Bereich beeinflussen und was für den gemeinsamen Erfolg unverzichtbar ist.
Aus den individuellen Perspektiven kann anschließend ein gemeinsames Modell entstehen. Nicht als hübsches Konsensbild, sondern als gemeinsame Arbeitsgrundlage.
Am Ende eines solchen Prozesses können beispielsweise drei bis fünf priorisierte Hebel, konkrete nächste Schritte und klare Verantwortlichkeiten stehen.
Für mich liegt genau darin die Stärke von LEGO® SERIOUS PLAY®: Klarheit darf nicht auf dem Workshop-Tisch liegen bleiben. Sie muss in der Organisation anschlussfähig werden.

"LEGO® SERIOUS PLAY® löst nicht automatisch Probleme. Aber die Methode macht sichtbar, worüber ein Team wirklich sprechen und entscheiden muss."
Anna-Elena Stoehr
FAQ: Häufige Fragen zu den Vorteilen und Nachteilen von LEGO® SERIOUS PLAY®
Die Dauer eines LEGO® SERIOUS PLAY® Workshops hängt vom Ziel und von der Komplexität der Fragestellung ab. Für eine erste Klärung kann eine kurze Session ausreichen. Bei Strategiearbeit, Teamthemen oder komplexen Veränderungsprozessen braucht es mehr Zeit für individuelle Modelle, Austausch, Verdichtung und Transfer.
Nein. LEGO® SERIOUS PLAY® ist ein strukturierter Arbeitsprozess und setzt keine besondere Kreativität oder Bauerfahrung voraus. Gerade analytisch denkende Menschen profitieren häufig davon, Zusammenhänge räumlich darzustellen und konkrete Fragen zu Modellen stellen zu können.
Ein großer Vorteil von LEGO® SERIOUS PLAY® ist, dass unterschiedliche Perspektiven und abstrakte Gedanken sichtbar werden. Teams können dadurch Unterschiede im Verständnis früher erkennen, komplexe Zusammenhänge besprechen und eine gemeinsam getragene Grundlage für Entscheidungen entwickeln.
LEGO® SERIOUS PLAY® benötigt Zeit, Material und eine sorgfältige Vorbereitung. Die Qualität des Workshops hängt stark von der Fragestellung und der Moderation ab. Außerdem liefert die Methode keine automatisch statistisch belastbaren Daten und ist nicht für jede Fragestellung die sinnvollste Vorgehensweise.
Häufige Ursachen sind ein unklares Workshopziel, eine zu unscharfe Fragestellung, fehlende Prozessführung oder ein mangelnder Transfer nach dem Workshop. Dann können interessante Modelle entstehen, ohne dass daraus ein Ergebnis entwickelt wird, das im Unternehmensalltag weiter genutzt werden kann.
Ein guter LEGO® SERIOUS PLAY® Workshop hat ein klares Ziel, eine aufeinander aufbauende Dramaturgie und eine professionelle Moderation. Die Teilnehmenden wissen, woran sie arbeiten, und die Ergebnisse werden am Ende so verdichtet, dass konkrete nächste Schritte oder eine nutzbare Entscheidungsgrundlage entstehen.
Passt LEGO® SERIOUS PLAY® zu eurem aktuellen Thema?
Du bist dir noch nicht sicher, ob LEGO® SERIOUS PLAY® für eure Fragestellung die richtige Methode ist? Dann schick mir gerne drei Informationen: euer Ziel, den Teilnehmerkreis und das verfügbare Zeitfenster.
Ich gebe dir eine ehrliche Einschätzung, ob LEGO® SERIOUS PLAY® für euer Thema sinnvoll ist, welches Format passen könnte und welches Ergebnis ihr realistisch erwarten könnt.
Denn manchmal sind die Steine genau das richtige Werkzeug. Und manchmal sind sie es nicht. Beides darf man vor einem Workshop wissen.

