Wie Unternehmen eigene Facilitation-Kompetenz aufbauen
Case Study einer Online-Ausbildung zur Moderatorin mit der Methode und dem Material von LEGO® SERIOUS PLAY®
Wer LEGO® SERIOUS PLAY® regelmäßig im Unternehmen einsetzen möchte, steht irgendwann vor einer strategischen Frage: Soll die Methode weiterhin punktuell durch externe Facilitator eingesetzt werden oder soll die notwendige Kompetenz im eigenen Unternehmen aufgebaut werden?
Damit LEGO® SERIOUS PLAY® in Teamprozessen, Projekten, Führungssituationen oder Veränderungsvorhaben dauerhaft wirksam eingesetzt werden kann, braucht es Menschen, die nicht nur die Methode kennen. Sie müssen Fragen präzise entwickeln, Prozesse sicher gestalten und auch dann handlungsfähig bleiben, wenn eine Gruppe anders reagiert als geplant.
Diese Case Study zeigt, wie eine interne LEGO® SERIOUS PLAY® Zertifizierung darauf vorbereitet und warum Methodensicherheit nicht bedeutet, einen festgelegten Ablauf unverändert durchzusetzen.
Auf einen Blick
Eine interne LEGO® SERIOUS PLAY® Zertifizierung befähigt Mitarbeitende, Führungskräfte oder interne Prozessbegleiter dazu, die Methode eigenständig und verantwortungsvoll im Unternehmen einzusetzen.
Im Mittelpunkt stehen dabei nicht die Steine, sondern:
- die Entwicklung tragfähiger Fragen
- ein klares Prozessdesign
- die Auswahl geeigneter Modellarten
- die Moderation unterschiedlicher Perspektiven
- die Übertragung der Ergebnisse in Entscheidungen und nächste Schritte
Die folgende Situation aus einer Zertifizierungsrunde zeigt, warum gerade dieser letzte Punkt entscheidend ist.

Ausgangslage
Die Teilnehmerin dieser Ausbildungsrunde ist Unternehmerin, Beraterin und Führungskraft im eigenen Unternehmen. Sie leitet eine Agentur für virtuelle Assistenz und arbeitet täglich mit komplexen Abläufen, unterschiedlichen Kund und schnell wechselnden Rahmenbedingungen.
Sie suchte nicht einfach nach einer weiteren kreativen Workshopmethode.
Ihr Ziel war es, LEGO® SERIOUS PLAY® langfristig in ihre bestehende Arbeit zu integrieren. Die Methode sollte sie dabei unterstützen, Themen schneller zu strukturieren, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und Entscheidungen nicht nur zu diskutieren, sondern tatsächlich vorzubereiten.
Das galt für drei Einsatzbereiche:
- die eigene unternehmerische Arbeit
- die Zusammenarbeit im Team
- die Begleitung ihrer Kund
Damit stand sie vor einer Frage, die auch für viele Unternehmen relevant ist:
Wie lässt sich LEGO® SERIOUS PLAY® so intern aufbauen, dass die Methode nicht bei einzelnen Workshops stehen bleibt, sondern zu einem verlässlichen Arbeitsinstrument wird?
Ziel der Zertifizierung
Ziel der Ausbildung war nicht, möglichst viele fertige Workshopabläufe zu übernehmen. Die Teilnehmenden sollten verstehen, warum LEGO® SERIOUS PLAY® wirkt, wann der Einsatz sinnvoll ist und wie sie aus einem konkreten Anliegen einen tragfähigen Prozess entwickeln.
Dazu gehörten unter anderem:
- die Grundlagen und Wirkprinzipien der Methode
- Skills Building und der LEGO® SERIOUS PLAY® Kernprozess
- die Arbeit mit Einzelmodellen, Shared Models und Landschaftsmodellen
- die Entwicklung geeigneter Baufragen
- die Gestaltung vollständiger Workshopprozesse
- die Moderation online und in Präsenz
- der Umgang mit Dynamiken, Widerständen und unerwarteten Situationen
- die Übertragung der Erkenntnisse in konkrete Entscheidungen und Maßnahmen
LEGO® SERIOUS PLAY® sollte dabei nicht isoliert neben bestehenden Methoden stehen. Die Teilnehmernden wollte bewusst entscheiden können, wann die Methode einen echten Mehrwert bietet und wie sie sich sinnvoll mit anderen Ansätzen verbinden lässt.

Wie die Ausbildung aufgebaut war
Eine fundierte LEGO® SERIOUS PLAY® Ausbildung besteht nicht nur daraus, selbst Modelle zu bauen. Die Teilnehmenden erleben zunächst die Methode aus der Perspektive der Gruppe. Anschließend wechseln sie schrittweise in die Rolle der Moderation.
Sie entwickeln eigene Baufragen, gestalten Sequenzen und moderieren Teile des Prozesses selbst. Danach erhalten sie strukturiertes Feedback zu ihrer Fragestellung, ihrer Prozessführung und ihrer Wirkung auf die Gruppe. Genau dieser Wechsel ist entscheidend.
Ein Prozess kann auf dem Papier schlüssig wirken und sich in der Durchführung trotzdem anders entwickeln. Professionelle Facilitation entsteht deshalb nicht durch das Auswendiglernen eines Ablaufs. Sie entsteht durch Anwendung, Beobachtung, Feedback und Reflexion.
Als der geplante Prozess nicht für alle funktionierte
In einer Ausbildungssequenz hatten die Teilnehmenden zunächst individuelle Modelle gebaut und vorgestellt.
Im nächsten Schritt sollten ausgewählte Elemente aus diesen Einzelmodellen in ein gemeinsames Modell überführt werden. Dieses Shared Model sollte die zentralen Perspektiven der Gruppe miteinander verbinden.
An diesem Punkt machte eine Teilnehmerin deutlich, dass dieser Arbeitsschritt für ihre neurodivergente Denk- und Arbeitsweise nicht zu einem sinnvollen Ergebnis führen würde. Sie lehnte die Aufgabe nicht ab. Sie konnte sehr klar beschreiben, warum die gemeinsame Konstruktion die innere Logik ihres Modells nicht angemessen abbilden würde.
Damit entstand eine Situation, in der die vorgesehene Dramaturgie nicht einfach unverändert fortgesetzt werden konnte.
Die Lösung: Gleiches Ziel, unterschiedliche Wege
Der Prozess wurde nicht abgebrochen und die Teilnehmerin wurde nicht aus der gemeinsamen Arbeit herausgenommen. Stattdessen wurde der Arbeitsauftrag angepasst.
Die Teilnehmerin entwickelte aus den zuvor priorisierten Elementen ein eigenes weiterführendes Modell. Die übrigen Teilnehmenden erarbeiteten parallel das geplante Shared Model.
Anschließend wurden beide Ergebnisse vorgestellt und gemeinsam betrachtet. Dadurch blieben die zentralen Voraussetzungen des Prozesses erhalten:
- Alle arbeiteten an derselben übergeordneten Fragestellung.
- Die unterschiedlichen Perspektiven wurden sichtbar.
- Die Ergebnisse konnten miteinander verglichen werden.
- Niemand musste eine Arbeitsweise übernehmen, die für die eigene Verarbeitung nicht tragfähig war.
- Die Gruppe konnte den Prozess gemeinsam abschließen.
Das Ziel blieb bestehen. Der Weg dorthin wurde angepasst.
Was dieser Moment über professionelle Facilitation zeigt
LEGO® SERIOUS PLAY® basiert auf klaren Prinzipien und einem strukturierten Kernprozess. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Gruppe und jede Person identisch arbeiten muss.
Professionelle Facilitator müssen erkennen können:
- Welche Funktion hat der aktuelle Arbeitsschritt?
- Welches Ergebnis soll erreicht werden?
- Was braucht die Gruppe, damit alle sinnvoll beteiligt bleiben?
- Welche Anpassung ist möglich, ohne das Prozessziel zu verlieren?
Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer oberflächlichen Anwendung und fundierter Facilitation. Wer lediglich einen vorgegebenen Ablauf kennt, gerät in einer solchen Situation schnell ins Stocken. Wer die Methode, ihre Prinzipien und das Prozessziel verstanden hat, kann bewusst reagieren.

"Methodensicherheit zeigt sich nicht darin, einen Ablauf unverändert durchzusetzen. Sie zeigt sich darin, das Ziel zu sichern, wenn der vorgesehene Weg nicht für alle trägt."
Anna-Elena Stoehr
Die wichtigste Erkenntnis für die Teilnehmerin
Im Anschluss an die Ausbildung entschied sich die Teilnehmerin, LEGO® SERIOUS PLAY® in ihrem eigenen Kontext zunächst vor allem über Einzelmodelle einzusetzen.
Das war keine Einschränkung der Methode. Es war eine bewusste methodische Entscheidung.
Einzelmodelle ermöglichen es, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen, ohne sie zwangsläufig in einem gemeinsamen Modell zusammenzuführen. Je nach Fragestellung können sie vollkommen ausreichend sein, um Klarheit zu schaffen, Muster zu erkennen und Entscheidungen vorzubereiten.
Die Teilnehmerin hatte durch die Ausbildung nicht nur gelernt, wie ein Shared Model aufgebaut wird. Sie hatte gelernt, zu entscheiden, wann ein Shared Model sinnvoll ist und wann eine andere Form besser zum Ziel führt.
Genau das ist professionelle Methodenkompetenz.
Warum sich der interne Aufbau von LEGO® SERIOUS PLAY® Kompetenz lohnt
Für Unternehmen, die LEGO® SERIOUS PLAY® regelmäßig einsetzen möchten, kann der Aufbau eigener Facilitator sinnvoll sein.
Interne Moderator kennen:
- die Strukturen und Abläufe des Unternehmens
- die verwendete Sprache und wichtige Fachbegriffe
- bestehende Schnittstellen und Abhängigkeiten
- die typischen Herausforderungen der Teams
- die Hintergründe aktueller Projekte und Veränderungen
Dadurch können sie LEGO® SERIOUS PLAY® auch bei kleineren oder wiederkehrenden Fragestellungen einsetzen, ohne für jeden Anlass einen externen Workshop beauftragen zu müssen.
Mögliche Einsatzbereiche sind beispielsweise:
- Projektstarts und Retrospektiven
- Rollenklärung in Teams
- Entwicklung gemeinsamer Arbeitsprinzipien
- Vorbereitung von Entscheidungen
- Prozessanalyse und Prozessverbesserung
- Strategiearbeit
- Führungskräfteentwicklung
- Begleitung von Veränderungen
Die Methode wird dadurch nicht nur zu einem besonderen Workshopformat. Sie kann zu einem festen Bestandteil der Zusammenarbeit werden.
Wann externe Facilitation trotzdem sinnvoll bleibt
Interne Kompetenz bedeutet nicht, dass externe Begleitung grundsätzlich überflüssig wird. Bei besonders sensiblen Konflikten, hierarchieübergreifenden Entscheidungsprozessen, großen Gruppen oder strategischen Weichenstellungen kann eine neutrale externe Moderation weiterhin sinnvoll sein.
Interne Facilitator und externe Begleitung erfüllen unterschiedliche Funktionen. Die interne Zertifizierung schafft die Möglichkeit, LEGO® SERIOUS PLAY® selbstständig im Arbeitsalltag einzusetzen. Externe Facilitator können ergänzend dort unterstützen, wo Neutralität, zusätzliche Erfahrung oder ein besonders anspruchsvolles Prozessdesign benötigt werden.
Unternehmen müssen sich deshalb nicht grundsätzlich für eine der beiden Varianten entscheiden. Entscheidend ist, für den jeweiligen Anlass die passende Form zu wählen.
Fazit: Zertifizierung bedeutet Befähigung, nicht Vereinheitlichung
Eine fundierte LEGO® SERIOUS PLAY® Zertifizierung vermittelt keine starren Workshoprezepte.
Sie befähigt Menschen dazu, Fragestellungen zu analysieren, passende Prozesse zu entwickeln und Gruppen sicher durch diese Prozesse zu führen.
Dazu gehört auch, einen geplanten Ablauf anzupassen, wenn er für eine Person oder eine Gruppe nicht trägt.
Gerade für Unternehmen, die LEGO® SERIOUS PLAY® dauerhaft nutzen möchten, ist diese Kompetenz entscheidend. Denn nachhaltige Wirkung entsteht nicht durch die Steine allein.
Sie entsteht durch Menschen, die wissen, welche Frage sie stellen, welchen Prozess sie gestalten und wie sie aus unterschiedlichen Perspektiven ein tragfähiges Ergebnis entwickeln.
FAQ: Häufige Fragen zur internen LEGO® SERIOUS PLAY® Zertifizierung
Bei einer internen LEGO® SERIOUS PLAY® Zertifizierung wird die notwendige Methoden- und Moderationskompetenz innerhalb eines Unternehmens aufgebaut. Mitarbeitende oder Führungskräfte lernen, LEGO® SERIOUS PLAY® eigenständig für geeignete Fragestellungen einzusetzen.
Die Ausbildung muss dafür nicht zwingend ausschließlich mit Personen aus einem Unternehmen stattfinden. Entscheidend ist, dass die erworbene Kompetenz anschließend intern genutzt und verankert wird.
Die Ausbildung eignet sich unter anderem für interne Prozessbegleiter, Führungskräfte, HR-Verantwortliche, Personalentwickler, Projektleitungen, Organisationsentwickler, Trainer, Coaches und Berater.
Wichtig ist weniger die bisherige Berufsbezeichnung als die Bereitschaft, Gruppen strukturiert zu begleiten und die eigene Moderation zu reflektieren.
In einem Workshop bearbeiten die Teilnehmenden eine konkrete Fragestellung mithilfe der Methode.
In einer Ausbildung lernen sie dagegen, solche Prozesse selbst zu entwickeln und zu moderieren. Dazu gehören Methodengrundlagen, Fragetechnik, Prozessdesign, Modellarten, Gruppensteuerung, Reflexion und Transfer.
Ja. Die Ausbildung kann online oder in Präsenz durchgeführt werden.
Im Onlineformat werden zusätzlich die besonderen Anforderungen an Technik, Materialversand, Kameraführung, Interaktion und digitale Prozessgestaltung berücksichtigt. Die Teilnehmenden erleben und moderieren die Methode dabei direkt im virtuellen Raum.
Nein. Welche Modellart sinnvoll ist, hängt von der Fragestellung und dem gewünschten Ergebnis ab.
Einzelmodelle eignen sich besonders, um unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen. Shared Models unterstützen Gruppen dabei, sich auf ein gemeinsames Verständnis zu einigen. Landschaftsmodelle helfen, komplexe Systeme, Beziehungen und Abhängigkeiten darzustellen.
Ein professioneller Prozess wählt die Modellart nach dem Ziel aus und nicht umgekehrt.
Externe Facilitation kann sinnvoll sein, wenn Neutralität besonders wichtig ist, sensible Konflikte bearbeitet werden, verschiedene Hierarchieebenen beteiligt sind oder ein komplexes Prozessdesign benötigt wird.
Für wiederkehrende Team-, Projekt- und Entwicklungsfragen kann dagegen der Aufbau interner Kompetenz eine gute Ergänzung sein.
Die Investition richtet sich nach dem Format, der Anzahl der Teilnehmenden, dem benötigten Material und dem Umfang der Anpassung an den Unternehmenskontext.
Offene Ausbildungstermine und individuelle Inhouse-Formate werden daher getrennt kalkuliert.
LEGO® SERIOUS PLAY® selbst professionell einsetzen
Du möchtest LEGO® SERIOUS PLAY® nicht nur erleben, sondern die Methode selbst sicher in Workshops, Teamprozessen oder Veränderungsvorhaben einsetzen?
In meiner Ausbildung lernst du, eigene Prozesse zu entwickeln, präzise Baufragen zu formulieren und Gruppen online wie in Präsenz professionell zu begleiten.
Die Ausbildung schließt mit der Zertifizierung zur Moderatorin beziehungsweise zum Moderator mit der Methode und dem Material von LEGO® SERIOUS PLAY® ab.

Für Unternehmen, die mehrere interne Facilitator ausbilden möchten, kann die Zertifizierung auch als angepasstes Inhouse-Format gestaltet werden.
